Der integrale Ansatz

Bild mit freundlicher Genehmigung von De Es Schwertberger

Eine 'Theorie von Allem'

Das Ziel des ‚integralen Ansatzes', von dem amerikanischen Philosophen und Denker Ken Wilber (dem 'Einstein des Bewusstseins') entwickelt, ist die Vereinigung (Integration) möglichst vieler Weltsichten, Theorien und Lehren. Daher wird dieser Ansatz gerne auch als 'Theorie von Allem' bezeichnet.

 

Gemeinsamkeiten statt Unterschiede

Im Gegensatz zu den meisten Ansätzen oder Weltsichten, die auf die Abgrenzung (Differenzierung) von anderen Ansätzen durch die Betonung der Unterschiede bedacht sind, hebt der Integrale Ansatz stärker die verbindenden Elemente und die Gemeinsamkeiten hervor und integriert sie so zu einem stimmigen Gesamtbild. Im Wesentlichen geht es um die Vereinigung der Erkenntnisse traditioneller, meist östlicher Weisheitslehren mit aktuellen Forschungsergebnissen unserer westlichen, eher materialistisch-wissenschaftlichen Kultur sowie die Auflösung der Widersprüche zwischen den 'inneren' (z.B. Kultur- und Geisteswissenschaften') und den 'äußeren' (Naturwissenschaft, Systemtheorie) Fakultäten.

 

"Niemand ist clever genug, sich ständig zu irren"

Getreu der Devise ‚nobody is smart enough to be wrong all the time‘ geht Wilber davon aus, dass in jeder von einer dieser Gruppen vertretenen Sichtweise ein Stück Wahrheit liegt.

Bedauerlicherweise halten die Vertreter einer jeden Sichtweise die ihrige zumeist für die einzig richtige und reduzieren die Realität auf den Blickwinkel ihres eigenen Weltbilds. Was das jeweilige Bild der Welt zwar immer noch wahr, aber eben nur unvollständig sein lässt (‚true, but partial‘). 

 

Auflösung von Widersprüchen

Die Stärke des integralen Ansatzes liegt darin, dass sich damit unterschiedliche, teils vermeintlich widersprüchliche Sichtweisen wie in einem Mosaikbild zu einem bunten und wunderbar stimmigen Bild unseres Seins in diesem Universum zusammenfügen.

In der Beschäftigung mit den verschiedenen Facetten des integralen Ansatzes passiert es quasi zwangsläufig, dass mit der Weitung der Perspektiven und der damit Stück für Stück vollständiger werdenden Sicht die Dinge plötzlich mehr und mehr Sinn ergeben (‚making sense of everything‘). Selbst das Auftauchen von Antworten auf Fragen wie ‚Wer bin ich?‘ und ‚Warum bin ich hier?‘ lässt sich plötzlich nicht mehr wirklich vermeiden… Wink

 

Ein 'integrales Betriebssystem'

Dabei bildet der integrale Ansatz keine neue Theorie im eigentlichen Sinne, die ihrerseits neue Modelle, Erkenntnisse oder Behauptungen über die Welt hinzufügt. Vielmehr stellt er als 'Meta-Modell' einen Bezugs-Rahmen, ein ‚integrales Betriebssystem‘ zur Verfügung, mit dessen Hilfe immer weitere Perspektiven der Realität zugänglich werden.

In Verbindung mit aktuellen Erkenntnissen wissenschaftlicher Forschungen zur Evolution des Kosmos, zur Entwicklung der Menschheit als Spezies wie zu unserer individuellen persönlichen Reifung, schafft dieser Bezugsrahmen neue Ein-Sichten auf uns selber, auf unsere Rolle und unseren Weg in diesem Universum. Er hilft uns, unsere Rolle und unseren Status in der Evolution besser zu verstehen und daraus die richtigen, bewussten Entscheidungen für eine Sinn-volle Gegenwart und eine vielversprechende Zukunft abzuleiten.

Nicht zuletzt kann er jedem von uns helfen, sich selber vollständiger und wahrer zu er-kennen.